Selbstorganisation und Widerstand in Griechenland: NETZWERKE DER SOLIDARITÄT

Die Verschuldungskrise wurde besonders Griechenland gegenüber genutzt,
um  ein neoliberales Politik- und Wirtschaftsmodel  durchzusetzen. Die
Memoranden haben dazu geführt Griechenland in eine gleichsam koloniale
Abhängigkeit zu bringen. Die katastrophalen Folgen für große Teile der
Bevölkerung sind bekannt.
Zahlreiche Basisinitiativen bilden ein großes Widerstandspotential in
diesem Land, meist mit einem einen antikapitalistischen Grundkonsens.
Genügend Gründe  sich mit deren Widerstand zu solidarisieren. Auch bei
uns gibt es viele Soli-Projekte die auf die eine oder andere Weise
Verbindungen nach Griechenland haben

Donnerstag den 18. Mai um 19 Uhr
„Biergarten Jockel“ Ratiborstraße 14c  10999 Berlin Kreuzberg

In dieser Veranstaltung im Rahmen der Reihe Selbstorganisation und
Widerstand wollen wir der Frage nachgehen, was ist das Gemeinsame und
was ist das Besondere der verschieden Solidaritätsnetzwerke die es  hie
immer noch gibt. Die Bandbreite dabei ist groß: von vorrangig
humanitären und auf materielle Unterstützung ausgerichteten Projekten
bis hin zu solchen deren Hauptanliegen grundlegende gesellschaftliche
Veränderungen in Europa und darüber hinaus sind.
Was ist das Gemeinsame in den vorgestellten Projekten und was das
Besondere und was wollen sie, was wollen wir damit erreichen.

Ausstellung und Veranstaltungen zur Solireise 2016

Selbstorganisation und WiderstandSelbstorganisation und Widerstand

Fotoreportage – Diskussion – Filmvorführung

Seit gut 9 Jahren befindet sich Griechenland in der «Krise». Das Spardiktat der Troika hält die griechische Gesellschaft seitdem im Würgegriff. Perspektivlosigkeit und soziale Unsicherheit sind zur Normalität für weite Teile der Gesellschaft geworden.

Immer mehr Menschen erkennen, dass ihnen der griechische Staat und die Troika keine würdevolle Perspektive mehr bieten können und organisieren sich unabhängig. Dabei ist der Widerstand gegen die Krise und deren Auswirkungen äußerst vielfältig. Proteste gegen Privatisierungen, Zwangsversteigerungen und den Ausverkauf von Bodenschätzen und die damit einhergehende Umweltzerstörung verzahnen sich mit Besetzungen von leerstehenden Häusern durch Geflüchtete, dem Aufbau solidarischer Kliniken oder Volksküchen und Nachbarschaftszentren.

Wir die laden Aktivist_innen aus diesen Projekten nach Deutschland ein und sammeln Spendengelder zur Unterstützung verschiedener Projekte vor Ort.

Gemeinsam mit dem Fotografen Giovanni Lo Curto haben wir eine Fotoausstellung über die Krise und den Widerstand erstellt, welche Eindrücke von unseren letzten Reisen im Herbst 2016 sammelt.

Begleitende Veranstaltungsreihe über unsere Erfahrungen:

  • 27.04. «Würde durch Besetzung»
    Selbstorganisation von Arbeiter*innen in besetzten Betrieben
  • 12.05. Film «Parko» und seinen Protagonist*innen
    über ein Stück selbstorganisiertes Athener Stadtleben
  • 18.05. «Netzwerke der Solidarität» über die vielfältigen
    Verbindungen zu den Gruppen und Projekten in Griechenland
  • 01.06. mit «Zwangsräumung verhindern!»
    über den Widerstand gegen Verdrängung und für bezahlbaren Wohnraum in Griechenland und hier.
    (Gemeinsam mit dem Bündnis «Zwangsräumung verhindern!»)

Alle Veranstaltungen um 19 Uhr in Jockel Biergarten, Ratiborstraße 14c, 10999 Berlin

Der Film Parko läuft im Regenbogenkino, Lausitzerstraße 22.

Flyer zum Download (350 KB)

Film: „Ich kämpfe, also bin ich“

Nach seinem Film „Lass uns nicht wie Sklavinnen leben“ aus dem Jahre 2013, der den griechischen Gegner_innen der Spardiktate gewidmet ist, begibt sich Yannis Youlountas in seinem neuen Film auf die Reise zu den Initiativen und den Kämpfen der spanischen und griechischen Menschen, die von Ausschluss, Haushaltskürzungen und polizeilichen Repressionsmaßnahmen betroffen sind. Ein Film der Hoffnung und der gegenseitigen Hilfe, um sich selbst zu helfen.

Premiere in Berlin und Gespräch mit dem Regisseur:

Am Freitag, den 13. Januar 2017,
um 20 Uhr Im Regenbogenkino,
Lausitzer Straße 22, Berlin-Kreuzberg
http://regenbogenkino.de/programm/index.html

Der Film wird mit deutschen Untertiteln gezeigt!

Aus Griechenland und Spanien weht ein Wind des Südens gegen die Resignation. In den Städten, auf dem Land, auf den Inseln und in den Bergen im Herzen der Kämpfe und der gelebten Alternativen weigern Frauen und Männer und sogar die Kinder sich, sich geschlagen zu geben. Eine einzige Losung fasst ihren Mut zum Widerstand, ihre kreative Freude zusammen: „Ich kämpfe, also bin ich“. Nur einige Worte, um aufrecht zu leben. Sitzen zu bleiben bedeutet, auf die Knie zu gehen. Eine freundliche und solidarische Meeresbrise weht von Barcelona nach Athen und von Andalusien nach Kreta, die die Wolken des Pessimismus verweht. Eine Reise im Rhythmus der Musik von einem Ende des Mittelmeers zu anderen auf der Erde der Kämpfe und der Utopie

Film: Je lutte donc je suis – Langversion auf französisch:
https://youtu.be/97HTxo20c-E

Mehr zum Film: http://jeluttedoncjesuis.net/

2 Veranstaltungsankündigungen über unsere Solireisen 2016

Liebe Internationalist_innen,

am 29.11.2016 wird es bei in einer Veranstaltung bei ver.di einen ersten Bericht (den Athen Teil im September) unserer diesjährigen Griechenland Solireise geben. Nach wie vor ist Griechenland in seiner abhängigen Position im Fokus der Angriffe,  gesellschaftliche Verhältnisse nach neoliberalem Muster um zubauen.

aus dem Einladungstext: “

"Wir (die „Gewerkschaftliche Solidaritätsgruppe Griechenland“) sind eine Gruppe engagierter Kolleginnen und Kollegen, die seit 2012 in einem regelmäßigen Austausch mit griechischen Gewerkschaften und sozialen Projekten der Selbstverwaltung stehen.

Wir kommen aus verschiedenen Gewerkschaften (ver.di, IGM, GEW) und verschiedenen Städten (Berlin, Hamburg, Darmstadt, Hanau, Salzgitter). Bisher besuchten wir jährlich im September in einer größeren Gruppe unsere Partner in Griechenland; jedes Frühjahr luden wir eine Gruppe griechischer GewerkschafterInnen ein, um in verschiedenen deutschen Städten auf Veranstaltungen über die Situation in Griechenland zu informieren.

    am Dienstag, den 29. November, von 19.30-21.30 Uhr,
in der ver.di
Bundeszentrale, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin
im Raum Nabucco (Basisgeschoss/gegenüber von Raum Aida).

14705673_317238001977958_168198130422852276_nDer zweite Teil unserer Reise (mit Schwerpunkt Selbstorganisation) fand Anfang November statt. Erste Eindrücke werden auf einer Veranstaltung des Bildungswerkes der Heinrich Böllstiftung wiedergegeben:

Mittwoch, 30. November 2016 – 19:0021:30
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Workers Economy in Thessaloniki III : Solidarische Klinik Thessaloniki

 „Von Anfang an haben wir gesagt, dass es uns nicht nur nicht interessiert ob wir legal sind, sondern das wir illegal bleiben möchten.“

Am Rande der 2. Euromediterranean „Workers Economy“ Konferenz in Thessaloniki  sprachen wir mit einem der Ärzte über den Aufbau eines selbstorganisierten Gesundheitswesens in Griechenland.

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Workers Economy in Thessaloniki II : Mehr als eine Nische

Kongressbericht: Arbeiter*innen selbstverwalteter Betriebe diskutieren in Thessaloniki.

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© Giovanni Lo Curto

Am zweiten Tag der Euromediterranean „Workers Economy“ Konferenz fanden sich mit über 250 Besucher_innen deutlich mehr Leute als am Vortag in der Haupthalle des selbstverwalteten Betriebs Vio.Me ein. Im Unterschied zum ersten Tag wurden verschiedene Fragen der Selbstverwaltung konkreter diskutiert. So erläuterten Vertreter_innen des Sozialen Zentrums „Micropolis“ aus Thessaloniki, welche Schwierigkeiten sich beim Aufbau einer sozialen, auf Solidarität beruhenden, Ökonomie auftun. Hier wurde deutlich, welche Zusammenhänge und Ähnlichkeiten zwischen einer selbstverwalteten Kooperative und der Organisierung sozialer Bewegungen bestehen. Dazu werden wir in den nächsten Tagen noch einmal ausführlicher berichten.

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Workers Economy in Thessaloniki I : Selbstverwaltung und Würde

Ein Kongress zu selbstverwalteten Betrieben hat in Thessaloniki hat seine Türen geöffnet

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© Giovanni Lo Curto

Vom 28. bis 30. Oktober findet in den Fabrikhallen von Vio.Me in Thessaloniki der 2. Euromediterranean „Workers Economy“ Kongress statt. Vio.Me war im Jahr 2013 besetzt worden, nachdem der Besitzer monatelang die Arbeiter_innen nicht bezahlt hatte. Nun produziert der ehemalige Baustoffbetrieb in Selbstverwaltung ökologische Reinigungsmittel und beteiligt sich an den vielfältigen sozialen Protesten in der Stadt. Ein passender Ort also, um selbstverwaltete Betriebe und politische Kollektive aus über 16 Ländern willkommen zu heißen. Dutzende Initiativen stellen hier ihre Organisierungskonzepte und Erfahrungen vor und nutzen den Raum der Konferenz zum Austausch und zur internationalen Vernetzung. Neben einer Vielzahl europäischer Kollektive geben auch mehrere Betriebe aus Südamerika einen Überblick über ihre Aktivitäten.

Vor über 150 Besucher_innen wurde der Kongress am Freitag mit einer Eröffnungsrede von einem Arbeiter des Vio.Me-Kollektivs, einem Vertreter vom Organisationskomitee des Kongresses, Andres Ruggeri aus Argentinien und Benoit Borrits von der „Association pour l´Autogestion“ aus Frankreich eröffnet. In vier größeren Veranstaltungen berichteten unterschiedliche Kollektive von ihrer Entstehung und ihren Prinzipien. Eines ist dabei mehr als klar geworden: Alle setzen auf Selbstverwaltung und basisdemokratische Entscheidungsstrukturen.

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Fahrt nach Skouries / Chalkidiki

Fahrt nach Skouries / Chalkidiki am Samstag den 26. September

Am nächsten Morgen war organisatorisch alles ganz schnell geklärt. Die Fahrer holten die Klein-Busse bei der Vermietung am Flughafen ab und beide Gruppen führen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Treffpunkt auf halber Strecke außerhalb der Stadt. Dadurch ersparten wir den Fahrern, sich durch meist dichten Verkehr in der Großstadt zu quälen.

Die ungleichen Gruppengrößen wurde durch den PKW von Anthi ausgeglichen, die mit nach Idomeni fuhr.
Wir hatten es sehr bequem zu fünft im Neunsitzer Bus. Am wolkenverhangenen Himmel konnten wir in der Ferne den kegelförmigen Olymp sehen. Die Götter hatten sich im Nebel verschanzt. R. meisterte die kurvenreiche Strecke souverän, auch als der Regen einsetzte, der immer beständiger und heftiger wurde.
In Anea, einem Ort ganz in der Nähe unseres Ziels, waren Transparente über der Straße gespannt. Wir konnten entziffern, dass „metalurgische Arbeitsplätze“ gefordert werden.

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Perka, ein grünes Paradies am Rand der Stadt

Thessaloniki, 25.09.2015

Am Freitag machten wir uns auf nach Perka. Perka 1-7 sind Gärten, die von verschiedenen Gruppen betrieben und selbst verwaltet werden. Sie befinden sich auf einem nicht mehr genutzten Kasernengelände. Die Gärten sind in kleine Parzellen aufgeteilt, in denen Obst und Gemüse angebaut werden. Es gibt auch ein paar Hühner und einen Hahn.
Perka
Ein wild kläffender Hund kündigte unser Kommen an.
Wir trafen in einem der Gärten Betty, die uns ein wenig über das Projekt erzählte.
2003 gab die griechische Armee das Gelände auf und zog auf ein anderes außerhalb der Stadt. Das Grundstück gehört seit 1912 dem griechischen Staat, der über die weitere Nutzung bisher nicht entschieden hat. Die Zwischennutzung zum Gartenbau wird bisher geduldet. Bewohnt sind die Gärten nicht, es gibt allerdings ein Gästehaus. Da es sich um Eigentum des griechischen Staates handelt, droht die Privatisierung: Das 3. Memorandum sieht vor, dass das griechische Staatseigentum verscherbelt wird, um damit die Schulden zu bezahlen.

Die Erde der Gärten wurde auf Rückstände untersucht; sie soll für den Gartenbau geeignet sein. Der Boden ist allerdings besonders steinig, weil das Militär den Boden mit kleinen Steinen (Kieselsteinen) bedeckt hatte, um Wege anzulegen etc.
Sie könnten eine größere Fläche bewirtschaften; der Bedarf wäre da, die Bevölkerung im Stadtteil und in Thessaloniki unterstützt das Projekt. Aber das Problem ist das Wasser: Sie nutzen zur Bewässerung das Grundwasser und davon gibt es im Sommer nicht genug. Sie bewässern abwechselnd die Gärten, nie alle gleichzeitig, es reicht nicht für alle. Einige haben Wasserspeicher aufgestellt. Es gibt außerdem noch eine Trinkwasserleitung, die an die Wasserversorgung Thessalonikis angeschlossen ist. Die Produkte werden für den Eigenbedarf angebaut. Was übrig ist, geben sie einem Laden im Stadtteil, der kostenlos Lebensmittel an Bedürftige verteilt.
Wir werden wiederkommen und haben Tel.-Nr. ausgetauscht. Wir möchten Kontakte zu anderen Gärten, wie z. B. den Prinzessinnengärten in Kreuzberg, herstellen. Perka ist auf dem Kasernengelände Karatasou. Der Bus 38 fährt direkt hin, der Bus 27 hält in der Nähe.
(Brian)